Das folgende Wort zum Sonntag von Pastoralreferent Andreas Kratz ist im Hinterländer Anzeiger vom 24. September 2017 veröffentlicht worden:

Haben Sie Mut zum Aufbruch? Pilgern ist in den letzten Jahren in Mode gekommen – nicht nur durch Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. So hat sich an diesem Wochenende auch wieder eine Gruppe aus unserer Gemeinde auf den Weg gemacht, um den Lahn-Camino zu bestreiten. Heute ist dies wesentlich komfortabler als noch vor einigen hundert Jahren. Damals konnten sich Pilgerinnen und Pilger selbst hierzulande nicht sicher sein, ob sie lebendig wiederkommen. Doch sie haben sich nicht davon abhalten lassen nach Gott und nach sich selbst zu suchen. Vereinzelte Spuren sind bis heute erhalten – so z.B. Hinweise auf den Lahn-Camino und kurz vor dem Ziel unseres heutigen Weges die Hospitalkapelle in der Nähe der Lahnmündung. Immer mehr Pilgerwege entstehen und es lohnt sich, selbst auf die Suche zu gehen, wo überall alte wie neue Wege entlang führen.

Momentan fallen aber auch andere Hinweise schneller ins Auge: Großflächige Wahlplakate versuchen, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Diese erinnern uns daran, dass es heute wichtig ist, einen Zwischenstopp im Wahllokal einzulegen und die Stimme für die Bundestagswahl abzugeben (um nicht zu sagen „um zum Wahllokal zu pilgern“).

Wenn in der nächsten Woche die Plakate wieder verschwinden, können wir die kleinen Spuren der Pilgerwege suchen. Dann wünsche ich uns den Mut zum Aufbruch, genauso wie den frisch gewählten Bundestagsabgeordneten. Ob in Berlin, hier im Hinterland oder anderswo: Wenn wir aufbrechen, um etwas zum Guten zu bewegen und dabei uns selbst zu finden, ist das mit Sicherheit genauso im Sinne Gottes wie unserer Mitmenschen. Und dazu gehört gar nicht so viel Mut, wie man zunächst meint – meistens ist nur der erste Schritt schwierig!